- eine Volkserzählung aus dem norwegischen Lappland -
Auf der finnischen Seite unseres Landes wohnte einst ein Mann, der jeden Tag in seines Herrn Wald ging und Brennholz hackte, damit dieser Holz für den ganzen Winter hätte. War er mit seiner Arbeit fertig, ging er wieder nach Hause, um dort zu schlafen ... und am Morgen brach er wieder auf, ohne mehr als das allernotwendigste in einem kleinen Sack für den Arbeitstag mitzunehmen.
Als er nun eines Tages in den Wald kam, auf seinem Rücken den kleinen Fellsack, sah er ganz in der Nähe, wo er zuletzt Bäume gefällt hatte, einen kleinen Elch auf dem Moos liegen. Der schlief. Der Mann hatte keine Waffe bei sich, nur ein kleines Messer, wie es die Finnländer tragen, das man buku nennt. Er dachte: "Wenn ich ganz leise und vorsichtig an den Elch herankomme - so leise ich nur kann - ihm dann auf den Rücken springe und mein Messer nehme, dann werde ich wohl mit ihm fertig werden". Es glückte ihm auch, sich unbemerkt heranzupirschen. Er nahm sein buku in die Hand - und sprang mit einem Satz auf den Rücken des Elches! Der stieg steil in die Höhe und ging in rascher Fahrt flüchtig. Der Mann saß auf seinem Rücken und hielt sich an den langen Haaren des Ristes und Rückens fest. Dabei verlor er aber sein Messer aus den Fingern, da die Reise eine sehr schnelle war.
Nun ritt er lange, lange Strecken ... er ritt über Moose, über Berge und durch breite Täler, er ritt viele, viele Meilen! Da kam der Elch an einen Fluss, der gerade dort stilles Wasser führte. Wir nenn eine Stelle, wo das Wasser ruhig und tief unter einem Fall dahinströmt, fjell- (a)ma. Der Elch sprang also in seiner wilden Fahrt in das tiefe Wasser, durchschwamm es und erreichte rasch das andere Ufer. Nun hing dort etwas Birkengestrüpp am Uferrand herab, und der Mann hatte das Glück, dass er es zu fassen bekam, so dass er nicht länger auf dem Rücken des Elches zu reiten brauchte. Der Elch flüchtete, von seiner Last befreit weiter ...der Mann aber dachte: "Was soll ich jetzt beginnen? Nun es bleibt mir nichts anderes übrig, als den gleichen Weg zurückzugehen, auf dem ich mit dem Elch gekommen bin, denn hier bin ich ein fremder Mann und kenne weder Weg noch Steg". Er folgte daher den Fährten des Elches, und als er sah, dass dieser wieder über den Fluss geschwommen war, suchte auch er nach einer Stelle, wo ihm das gelingen könnte. Zu seiner Rettung, war an einer Stelle ein Baum über den Fluss gefallen, über den kroch er, so dass er heil das andere Ufer erreichte. Dort folgte er wieder den Spuren des Elches, die sich ja lange zeigen, wie du weißt, denn der Elch ist ein gewaltiges Tier. Erst nach zwei Tagen kam er zu Hause an.
Dort hatten seine Leute schon überall nach ihm gesucht; denn alle waren des Glaubens, er sei im Walde verlorengegangen. Sein Herr fragte ihn: "Wo kommst du her? Wo bist du so lange gewesen?" "Oh, ich komme von einer Reitertour, einer feinen Reitertour!" "Auf wem bist du denn geritten? Wie kamst du zu einer solchen feinen Reitertour, wie du sagst?" "Es war ein Elch, auf dem ich geritten bin" "Wie ging denn das zu?" Da erzählte der Mann: "Als ich an meinen Arbeitsplatz kam, sah ich einen Elch auf dem Moos liegen. Der schlief. Da kam es mir in den Sinn, auf ihn zu springen. Ich hatte nur ein Messer bei mir, mit dem wollte ich ihm in den Nacken stechen. Und während der Elch seine Reitertour begann, hielt ich mich an seinen Haaren fest. Dabei verlor ich mein Messer - und so saß ich denn viele Meilen rittlings auf des Elches Rücken. Immer wollte ich herunterspringen, aber die Fahrt ging so schnell, dass ich nicht einmal das zuwege brachte. Oh, ich hätte mich auch an Stubben und Steinen zu Tode geschlagen. Dann kam ein tiefes Wasser unter einem Fall ... da glückte es mir, Birken zu fassen, die über dem Wasser hingen, und so stand ich endlich wieder auf festem Boden. Dann ging ich auf den Spuren des Elches zurück und kam so wieder zu euch. Ja, nun bin ich also wieder bei euch ... aber an einer solchen Reitertour habe ich ein zweites Mal keine Freude mehr.