Home Amüsantes Awards Galerie Kontakt Links Neues Quellen Bohuslän Pilze

 

Elchfest

 
Anderes

Elchfest

 

Dieses Cartoon stammt aus dem Spiel Elchfest.

Elchfest-Cartoon
 

© Franz Vohwinkel

Elchhopping as Elch can - Ein Lob auf den Elchtest!

Man muss unserem schwedischen Zeitgenossen, der auf so unglaublich infame Weise die A-Klasse von Mercedes zum Kippen brachte, zutiefst dankbar sein. Nicht nur hat er uns "Endverbrauchern" dadurch einen wesentlich sichereren kleinen Mercedes beschert, sondern auch den Elch neu in unser Bewusstsein gehoben.

Natürlich wussten wir schon immer diese Spezies der Hirschfamilie vor den Schlitten des lieben Nikolaus gespannt (oder waren das die Rentiere?), doch ihre ungemein hinterlistige Art, sich urplötzlich vor nichtsahnenden A-Klasse-Fahrern aufzubauen und diese zu übermotivierten Lenkbewegungen zu animieren, das war wohl den wenigsten bekannt.

Ob diese zweifelhafte Ehre dem Elch als solchem so ganz gelegen kommt, das steht auf einem anderen Blatt. Fragte man einen repräsentativ ausgewählten von ihnen, so antwortete der sicher, dass er eigentlich wenig Lust verspüre, seinen massigen Körper mit über 3 m Länge und 2,4 m Schulterhöhe irgendeiner menschlichen Blechkonstruktion in den Weg zu stellen. Dafür müsste er seine über alles geliebte sumpfige Wald-, Moor- oder Tundrengegend im Norden Europas, in Asien oder in Nordamerika verlassen, nur um auf irgendeiner von a-klassigen Gefährten bevölkerten Straße ihr bis zu 800 kg Lebendgewicht den Reaktionskünsten eines verschlafenen Autofahrers anzuvertrauen.

Über diese Vorstellung schüttelte der repräsentativ Befragte nur verächtlich sein bis zu 20 kg schweres und schaufelförmiges Geweih. Und sollte sich ein verwegener Autofahrer in des Elchen Heimat verirren und ihn abseits aller Strassen aufspüren, schwömme er als geübter Schwimmer oder passabler Taucher einfach jedem karambolagen Ansinnen davon. Das sei die wahre Natur der Elche, die Mercedes durchaus mit Verleumdungsklagen gegen alle, die eine elchbeteiligte Krisensituation im Straßenverkehr behaupteten, hätte verifizieren sollen!

Zudem hätte dann auch jeder von dem sehr viel netteren Miteinander von Elch und Mensch erfahren, das sich alljährlich im hohen Norden ereignet. Da geht es nämlich darum, dass zwei Elche möglichst trockenen Hufes in entgegen gesetzten Richtungen über denselben Fluss setzen. Das tun sie aber nicht mit eigener Kraft, sondern Mithilfe von jeweils einem Menschen. Dieser hat die Aufgabe, kleine Felsbrocken so in den Fluss zu werfen, dass der entsprechende Elch über diese zum anderen Ufer laufen kann. Welches Elch-Mensch-Team das zuerst schafft, qualifiziert sich für die nächste Runde. Das geht so lange, bis schließlich das siegreiche Team feststeht und die beteiligten Elche endlich ein erfrischendes Bad im vorher überquerten Fluss nehmen können.

Spielprinzip und Spielmaterial

Diese uralte schwedische Tradition ist von Hermann Huber ludophil aufgegriffen und in der Kosmos Spiele-Galerie als Zweipersonenspiel mit dem Titel Elchfest veröffentlich worden. Damit verdient sich Kosmos zweifache Ehren: Zum einen wird europäisches Kulturgut lebendig gehalten, zum anderen wird das derzeit noch angekratzte Verkehrsrowdy-Image der Elche zurechtgerückt. Niemand, der einmal Elchfest gespielt hat, wird je wieder als Autofahrer mit einem verschlagenen Elch hinter dem nächsten Baum rechnen, der im geeigneten Moment auf die Fahrbahn springt.

Warum nicht? Nun, die Elche bei Elchfest haben so viel damit zu tun, auf den wankenden und schwankenden Felsbrocken zu balancieren, dass ihnen danach erst einmal viel zu schlecht sein wird, um auf irgendeine Strasse zu finden, geschweige denn auf selbiger stehen zu bleiben. Denn bei Elchfest sind sie den Fingerschnipp-Fertigkeiten der Spieler ausgeliefert. Diese müssen den Elchen die Felsbrocken (Spielsteine) so vor die Hufe schnippen, dass sie nur einen kleinen Schritt machen müssen.

© jürgen henrich

Da man sich keinen Fluss suchen kann, die Elche darüber setzen zu lassen, wird ein solcher im Spiel einfach vorausgesetzt. Diese Funktion hat eine ebene Tischplatte zu übernehmen. Auf dieser spielt sich des Geschehen ab. Dazu haben die Spieler je ein großes Plättchen, das das eine Ufer symbolisiert, sowie je drei kleinere Steine, die die Felsbrocken darstellen, zur Verfügung. Alles Spielmaterial ist aus Holz, das angenehm gearbeitet und ohne jedwede scharfe Kante oder Ecke. Auch die Ecke sind aus Holz. Sie sind "aus einem Guss", d.h. ihre Vorder- und Hinterhufe stehen in bestimmtem Abstand von einander. Im Spiel gilt es, auf diesen Abstand hin zu schnippen.

Vor dem Spiel steht schließlich noch das Regelstudium, auch wenn es sich um wirklich ganz wenige Regeln handelt. Kosmos begnügt sich denn auch mit kaum drei kleinen Seiten Regeltext, der mit vielen erläuternden und bunten Grafiken gespickt ist. Die Regeln sind einfach und sofort verständlich. Regelunklarheiten kennt Elchfest nicht, weshalb nach wenigen Minuten sofort zu spielen begonnen werden kann.

Das Spiel beginnt

Ziel des Spieles - ich erwähnte es bereits - ist es, den "eigenen" Elch auf die gegnerische Uferseite zu bringen, bevor der andere Elch es zum eigenen Ufer schafft. Doch vorher müssen die Felsbrocken in die richtige Position geschnippt werden. Das erfordert mehr Schnippgefühl, als man denkt! Zu Beginn werden die geschnippten Steine nicht selten die Spielfläche (den Tisch) verlassen. Daher empfiehlt sich eine Art Warmschnippen vor Beginn des Spiels, denn wer seinen Felsbrocken über das Spielfeld hinaus schnippt, verschafft dem Mitspieler einen Zug mehr.

Wer am Zug ist, darf zweimal schnippen. Geschnippt werden dürfen immer nur freie Felsbrocken, d.h. solche, aus denen keine Vorder- oder Hinterhufe eines Elchs stehen. Die Kunst besteht darin, die Brocken in der optimalen Entfernung vor den "eigenen" Elch zu bringen. Optimal bedeutet, dass die Hufweite des Elchs voll ausgenutzt wird und die beiden Felsbrocken einen möglichst großen Raum überbrücken. Sobald während dieser Schnippvorgänge ein Brocken in Stellreichweite des Elchs ist, darf dieser verstellt werden.

Nun kommen elchalbtraumgeplagte A-Klasse-Fahrer möglicherweise auf die Idee, den gegnerischen Elch dadurch auszubremsen, dass sie ihm die Brocken unter den Hufen wegschnippen. Das Problem war den alten Schweden schon bewusst (auch wenn sie die neue A-Klasse noch nicht kannten), weshalb sie denjenigen bestraften, der das beim fairen Wettkampf versuchte. Im Spiel wird der auf diese Weise zum Straucheln gebrachte Elch wieder in die ursprüngliche Position gebracht und der im helfende Spieler darf einmal mehr schnippen, wohingegen der Spieler, der das Straucheln verursachte, sofort seinen Zug aussetzen muss.

Es entwickelt sich also ein fairer, zu jedem Zeitpunkt lustiger Schippwettkampf, bei dem so manche kritische und kribbelige Situation zu meistern sein wird. Elchfest stellt keinerlei taktische Anforderungen an die Spieler. Diese müssen nur das Vorhaben des jeweils Anderen erspüren (v.a., welchen Weg er nehmen wird) und entsprechend darauf reagieren. Und natürlich kommt es auch besonderes Fingerschnipp-Gefühl an. Das aber bildet sich mit jedem Spiel mehr aus. Damit gibt es eigentlich keinen Spieldurchgang, der länger als 20 Minuten dauert.

Worte des Lobes, Worte des Tadels

Freilich kommen besonders gewitzte Mercedesfahrer immer auf ganz besonders "kluge" Ideen. So schlug mir einer einmal eine Partie Elchfest vor, bei der jeder von uns in einer anderen Ecke seines großen Zimmers beginnen sollte. Das mag durchaus lustig sein, ist aber nicht zu empfehlen, auch wenn es die Regel nicht verbietet. Der uralten Tradition des Landes mit den drei Kronen folgend, sollte ein Wettkampf von einer Dauer sein, die im Verhältnis zu einem gewissen Maß an Normalität steht. Besser und interessanter sind eher viele Spieldurchgänge, als ein einziger ewig langer!

Spielentscheidend werden dennoch die größere Geduld und die besseren Nerven sein. Die Elche sollen ja einerseits sicher hinüber kommen, andererseits dafür aber wenig Zeit bzw. eine möglichst kurze Strecke benötigen. Auch mauern ist möglich, wird das Spiel aber letztlich in eine Sackgasse manövrieren, denn wenn keiner am anderen vorbei kommt, ist der Spielreiz bald dahin. Auch in diesem Fall bedeutet fair play auch mehr Spaß und Unterhaltung.

Es gibt wenig Spiele, die derart die Fairness fördern, weil sie die einzige Gewähr für einen interessanten, temporeichen Spieldurchgang ist. Und so, wie Hinterlist bei Elchfest die Stimmung verdirbt, ist es wohl auch mit den Autofahrern und den Elchen ganz allgemein: Je netter und fairer man mit einander umgeht und je mehr man sich in gegenseitiger Anerkennung beidseitiger Verantwortung für das Leben und Überleben achtet, desto weniger Blechkarossen werden einen Test bestehen müssen, der letztlich aus den genannten Gründen kaum stattfinden wird. Lernen wir das, wird es bald mehr Elchfest als Elchtest geben!

Elchfest von Hermann Huber, Grafik: Franz Vohwinkel, Verlag: Kosmos (1999), 2 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer ca. 20 Minuten, Preis: ca. 9,95 €.

© Jürgen Henrich

 


zurück
 © Maren und Uwe Kamke 2000-2009

 

Aussehen
Elchsuche
Entwicklung
Feinde
Geweih
Jagd
Kunst
Lebensraum
Nahrung
Systematik
Verbreitung
Verhalten
Vermehrung