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Elchkult

 
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Nordschweden

Die Felszeichnungen in Norrland/Schweden werden beherrscht von Elch-Darstellungen. Insgesamt sind es viele tausend einzelne Abbildungen des Elches. Man geht deshalb davon aus, dass es in der Stein- und Bronzezeit im Norden Skandinaviens tatsächlich einen Elchkult gab. Skulpturen, die Elchköpfe darstellen und viele Felszeichnungen zeugen heute von dieser Religion. Im Süden Schwedens gibt es dagegen fast keine Elchdarstellungen in Felszeichnungen.

Die ältesten Felszeichnungen sind etwa 6000 Jahre alt, die jüngsten etwa 3000 Jahre. Die Zeichnungen zeigen, dass der Elchkult in Norrland über 3000 Jahre lang anhielt. Man kann allerdings nur spekulieren, wie der Elchkult im einzelnen ausgeübt wurde. Man vermutet, dass es eine Art Schamanismus, wie man ihn heute noch unter Jagdvölkern findet, war.

Bei Näsåker in der Provinz Ångermanland liegt der Nämforsen, ein Wasserfall des Ångermanälven. Auf den dortigen Granitfelsen am Fluss und sogar in den Stromschnellen selbst finden sich über 1.800 Elchdarstellungen. Zwischen den Elchen sind einzelne Männer dargestellt. Im Gegensatz zu anderen Felszeichnungen im Norden finden sich dort keine Fruchtbarkeitssymbole oder bewaffnete Figuren.

Die meisten Archäologen und Felszeichnungsfachleute interpretieren die Elchbilder als einfachen Jagdzauber, der für Jagdglück sorgen sollte. Dies erklärt jedoch nicht die Zeichnungen am und im Fluss. Auch wenn der Fluss vielleicht als Falle geeignet wäre, indem man die Elche in einer Treibjagd hineintreibt, ist die Gefahr des Fehlschlagens der Jagd zu hoch. Ganz abgesehen davon, dass Elche im Gegensatz zu Rentieren nicht in Herden leben und eine kollektive Panik, die die Tiere blind über Abgründe und in Flüsse stürzen lässt, bei Elchen nicht auszulösen wäre, bestünde zudem die Gefahr, dass ein in den Fluss gefallenes Tier in den Fluten ertrinkt und ins Meer gespült wird, bevor der Jäger es bergen kann.

Der Archäologe Anders Fandén unternimmt dagegen einen interessanten Versuch einer schamanischen Deutung der Felszeichnungen am Nämforsen. Er geht davon aus, dass die Bilder eine Art Öffnung zur Welt der Geister darstellen sollen und man sich an den Stromschnellen versammelte, um den Elch zu ehren und Kontakt mit den Göttern aufzunehmen. Als Vermittler traten den Felszeichnungen nach Männer auf, die über die Felsen im Fluss tanzten und sich so in Trance versetzten, um die Zeichen der Götter zu verstehen. Der rauschende Fluss intensivierte mit seinem beruhigenden, hypnotischen Gesang die Trance.

Insofern war der Nämforsen die Kirche, der Schamane der Pastor und die Elchbilder die Heilige Schrift. Der Schamane und der Elch hatten ein besonderes Verhältnis. Es gibt Hinweise auf den Felsen, die eine direkte Verwandlung des Menschen in den Elch darstellen wie menschliche Fußspuren, die in einer Elchfigur enden.

Aber wieso nur Elche und keine anderen Tiere? Der Elch war zweifellos wichtiges Jagdwild, aber auch Biber, Rehe und Robben wurden gejagt. Sie finden sich aber nur vereinzelt zwischen den tausenden Elchzeichnungen. Anders Fandén geht davon aus, dass dies die Bedeutung des Elches aufzeigt, und dass der Elch den damaligen Bewohnern dieses Landstrichs heilig war.

Eine verbreitete Vorstellung beim Jagdvolk des Nordens war die Existenz von herrschenden und beschützenden Geistern unter den Tieren. Das größte und mächtigste Tier war Herrscher über alle Tiere. Der Elch als größtes Landtier der nördlihen Hemisphäre war somit in einer tief innigen Bedeutung König des Waldes.
Der Geist des Elches musste deshalb in Zeremonien und Gebete einbezogen werden. Er war die Kraft, die die Menschen mit Hunger, Elend und Krankheit heimsuchte, wenn sie ärgerlich und ihnen Jagdglück bescherte, wenn sie zufrieden war. Damit wurde der Geist des Elches zum Gott, der über 4000 Jahre lang verehrt wurde.

Erstaunlicherweise sind die über die Felsen im Nämforsen laufende Elche alle männlich ohne Geweih. Man hat also Winterelche in die Felsen geschlagen und das im Sommer, denn viele Darstellungen liegen unterhalb der Wasserlinie im Winter. Man glaubte, dass in der Geisterwelt die gegenteiligen Verhältnisse zur eigenen Welt herrschten. Wenn hier Nacht war, war dort Tag, und wenn hier Sommer war, war dort Winter. Die Sommerbilder der Elche erzählten also vom Winter im Lande der Vorväter und wurden ohne Geweih dargestellt.

Alaska

Bei den Athapaska Indianern in Alaska hat der Elch auch heute noch eine besondere spirituelle Bedeutung. Es wird u.a. zur Ehrung der Toten eine sogenannte Potlach-Zeremonie abgehalten. Es handelt sich um ein Festbankett zu besonderen Anlässen wie Geburt, Pubertät, Heirat, Erbe oder Tod. Dazu gehört insbesondere ein heiliges Mahl aus Elchfleisch und eine Suppe, gekocht aus dem kompletten Kopf des Elches. Der Kopf wird solange gekocht, bis er vollständig zerfallen ist. Die Haut des Kopfes wird nach dem Fest dem Wald zurückgegeben. Die Athapaska Indianer glauben, dass durch die Rückgabe eines Teils des heiligen Tieres ein Ausgleich erfolgt, dass der Natur ein Tier genommen wurde. Geschieht dieser Ausgleich nicht, schwindet das Jagdglück.


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 © Maren und Uwe Kamke 2000-2009

 

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